Schwarze Sonne

Sahid el Farrak:
Der Engel der Schwarzen Sonne
Rezension von Christian Stachel

Im November 2008 eröffnete der Schweizer Unitall-Verlag, der auf die Veröffentlichung von Science Fiction-Romanen spezialisiert ist, eine thriller occult-Reihe. Hierbei sticht zunächst ins Auge, daß diese Bezeichnung an sich okkult (= verborgen, geheim) klingt, zumal es im Englischen grammatikalisch korrekt hätte heißen müssen: „occult thriller“.

Die „Schwarze Sonne“ ist ein heidnisch-esoterisches Symbol, das zwar in gewissem Bezug zum Nationalsozialismus steht (es ist als Mosaik grünen Marmors im Boden eines Saales der SS-Okkultstätte Wewelsburg eingelassen), seit den 1990er Jahren jedoch vornehmlich als nichtverfassungswidriges Zeichen in unpolitischer Gothic- und Skinheadszene verwendet wird.

Der irakische Schriftsteller (und ehemalige Offizier der Republikanischen Garde) Sahid el Farrak hat sich laut Verlag seit vielen Jahren mit der babylonisch-assyrischen Frühgeschichte auseinandergesetzt und verarbeitet nun Teile seiner Erkenntnisse in einer Romanreihe. Das ist natürlich auf klasse Art und Weise publikumswirksam, und es spielt daher eine untergeordnete Rolle, was davon wahr ist.

Thorsten Steiner, die Hauptfigur der Reihe, ist ein gutmenschelnder deutscher Hauptschullehrer, der von seinen Schülern und zudem von seiner Mutter drangsaliert wird. Er führt Tagebuch, indem er Tonbänder bespricht, die sich seine Mutter heimlich anhört.
Farrak kritisiert gleich zu Beginn den Typus verweichlichtes Muttersöhnchen, das auch im Alter von über 25 Jahren noch zu Hause lebt. Doch dies ist nicht die einzige Gesellschaftskritik, die el Farrak wagt. So wird Thorsten von dreien seiner ausländischen Schüler krankenhausreif geschlagen, als er das „Abziehen“ (den Diebstahl neuer Turnschuhe) an einem deutschen Schüler durch das Trio verhindern möchte. Bezeichnenderweise wird dies von einem seiner Kollegen beobachtet, der es jedoch vorzieht, nicht einzugreifen.

Dies sind lediglich zwei Beispiele, wie el Farrak hinter- und vordergründig politisch inkorrekt kritisiert; ein wichtiges Standbein des Buches!

Der Krankenhaus-Aufenthalt ist der Beginn der Wandlung vom Gutmenschen Thorsten zum „Dritten Sargon“, einem Retter der Welt, über den man im ersten Band der Reihe „Die Schwarze Sonne“ allerdings lediglich andeutungsweise etwas erfährt.

So wird Thorsten von seinem bisher als verschollen geltendem Vater in ein buddhistisches Kloster gesandt, in dem er – so ist zu vermuten, denn Thorsten hat danach eine dreijährige Amnesie – geheime Techniken, das sogenannte „Phukor“ erlernt. Um was es sich dabei genau handelt, wird in Band 1 noch nicht klar, jedoch beinhaltet es asiatische Nahkampftechniken und die Levitation (menschliches Schweben ohne Hilfsmittel).

Die eigentliche Handlung der Romanreihe beginnt mit dem 35sten Lebensjahr Thorstens. Dieser ist inzwischen zum erfolgreichen Geschäftsmann avanciert. Er erlebt die Dekadenz der heutigen Bundesrepublik: als „Kunst“ genannte Anti-Ästhetik, freiwillige Verschandelung des Körpers durch Botox und Silikon, sozialistisches „Du“ fremden Menschen gegenüber und vor allem eine Freundin, die nur auf sein Geld aus ist. Dieser gibt er den Laufpaß, als sie nicht tiefsinnig mit ihm reden möchte und zudem schwanger geworden ist, nachdem sie heimlich die Pille abgesetzt hat. Ziel seiner Freundin Mandy ist es schließlich einzig und allein, Thorsten moralisch an sich zu binden, um auf Dauer an sein Geld zu gelangen.

Thorsten wird von nun an nach dem Leben getrachtet. Daher gilt es hinter das Geheimnis von „Orkult“ zu kommen. Wer ist die „Loge“? Wohin wird ihn sein unerwartet wieder aufgetauchter Vater, der ihm kurz zuvor das Leben rettet, führen? Welche Verschwörung spielt sich in Vietnam ab?
Wer das herausfinden möchte, dem sei „Der Engel der Schwarzen Sonne“ empfohlen, der sich aufgrund der politischen Inkorrektheit von anderen Romanen rund um Verschwörungen und Prophezeiungen unterscheidet.
 

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